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Uri Geller schreibt über Michael Jackson
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Uri Geller hat es wieder getan... Ein neuer Artikel zeigt Michael Jackson und die Geschehnisse der letzten Monate durch die Augen des bekannten Magiers. |
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ug - Das Gedrängel innerhalb des riesigen Schallplattengeschäfts
Oxford Street wurde langsam bedrohlich. Ich wollte zum Hintereingang hinaus,
aber die Bodyguards hinter mir hatten sich an den Ellbogen untergehakt
. Wir mussten uns nach vorne durchdrängeln, durch den Gegendruck
von schreienden, rufenden Gesichtern: "My-curl, My-curl, My-curl!"
(ähm, vielleicht "Mein Löckchen" hi hi - Anm. von
Daggi). Die Menschen lachten und weinten zugleich. Ein junger Mann wurde
von der Menge nach vorne geschubst, er hielt ein Handy an sein Ohr gepresst.
Er schrie gellend: "Du wirst es nicht glauben, Mami! Michael Jackson
ist genau vor mir, ich wünschte, du könntest ihn sehen!"
Und Michael langte freundlich hinaus, nahm das Telefon und flüsterte:
"Hi, wer ist da?, Ja, wirklich, ich bin es." Das Rufen verstummte,
da der gesamte Laden angestrengt lauschte, um Michaels gemurmelte Konversation
zu verfolgen. Ich hörte ihn sagen: "Ich liebe dich mehr,"
und dann gab er das Telefon zurück, und das Geschrei begann von vorne.
Draußen trampelte eine Welle von Fans einer älteren Frau fast
auf den Füßen herum, als Michael auftauchte. Da waren wenigstens
2.000 Fans, und für die Frau, die, wie ich später herausfand,
einfach nur eine Passantin war, muss dies fürchterlich gewesen sein. Die berauschte Ekstase der Menge nahm Stunden später auf dem Paddingtoner
Bahnsteig Acht eine viel düsterere Färbung an. Unsere Limo hielt
neben unserem Abteil im Royal Train, den wir gemietet hatten, um uns zu
dem Wohltätigkeitsspektakel meines Fußballclubs Exeter City
zu bringen. Als wir hinauskletterten, wurde Michael von seinen Aufpassern
getrennt. Ein Knäuel von Leuten stürzte sich nach vorne, und
ich sah ihn straucheln. Für einen Übelkeit erregenden Moment
war er außer Sicht, inmitten von um sich dreschenden Körpern.
Ich bemerkte, mit einem Anflug von Horror, dass er unter die Gleise getreten
werde könnte, hinein in die Räder. Ich war schweißbedeckt
vor Angst, als er auftauchte, zehn Sekunden später, unter den Armen
von Fans mit ihren Postern und Plakaten herauskrabbelnd. Wir sprinteten
zur Wagentür und ich half ihm hindurch. Er ließ sich in einen
Sitz fallen, sein Haar hing ihm ins Gesicht. Ich fühlte mich so schlecht
für ihn, dass ich mich nicht mal zu fragen getraute, ob er in Ordnung
wäre. Er ruft mich immer bei meinem vollen Namen - nicht "Uri",
nicht "Yuri" wie es die Amerikaner aussprechen, nicht "Geller"
(wie es Shipi tut, wenn er überkreuz mit mir ist!). Michael redet
mich unabhänderlich mit "Uri Geller" an. Und nun hatte
ich die schlimme Gewissheit, dass er mir nun sagen würde: "Uri
Geller, ich hätte umgebracht werden können, und es ist dein
blödsinninger, dummer Einfall gewesen." Aber was er wirklich
sagte, mit einem glückseligen Grinsen, das mich in ein Lachen der
Erleichterung ausbrechen ließ, war: "Ich bin in Ordnung, Uri
Geller. Mach dir keine Sorgen. Sei den Leuten da draußen nicht böse,
denn sie wissen nicht, was sie tun. Und ich liebe sie." Zurück zu dem Zeitpunkt, als die Jackson Five die Charts eroberten,
und als Michael auf den Thron des King of Pop stürmte, ich würde
ihm damals so gerne begegnet sein. Er besuchte niemals Parties. Das war,
als Feinde in den Neunzigern sich gegen ihn wendeten, ich erkenne den
Gestank Establishment Zirkus, denn ich hab' einige ernsthafte Fußtritte
verpasst bekommen von Leuten, die die gleichen abscheulichen Waffen benutzten
- Verleumdungskampagnen, Anzüglichkeiten, Prozess durch die Medien.
Ich danke Gott, dass die Schlammwerfer (Verleumder) nicht mit der gleichen
Sorte von Schmutz und Unrat auf mich gezielt haben, wie Michael es erleiden
musste. Michael verehrt Star Wars. Für unser erstes Treffen flog ich nach New York, wo er gerade Invincible, sein 30-Millionen-Dollar Album, aufnahm, welches letztes Jahr veröffentlicht wurde. Wir wurden schnell Freunde, und er fragte mich, ob ich einen Teil der CD künstlerisch mitgestalten wolle. Später nahmen wir seine Kinder zu einer privaten Aufführung der Star Wars Episode I mit, The Phantom Menace (Die Bedrohung durch das Phantom). Michael saß gespannt wie ein Flitzebogen neben mir, flüsterte die Lieblingszeilen - aber in einem Augenblick, als ich mich zu ihm drehte, um auf einige Details hinzuweisen, war er gegangen. Ich lehnte mich zurück, traurig. Ich dachte, ich wüsste, was geschehen war: das stille Goodbye eines Mannes, der Abschiede scheut. Mein neuer Freund wollte mich nicht fortschicken mit falschen Lächeln und leeren Versprechungen. Wir würden uns wahrscheinlich nie wieder treffen. Aber dann erhaschte ich eine Bewegung am Rand meines Blickfelds, drehte mich um, um Michael an der Rückwand des Kinos zu erblicken, sich verzückt hingebend einem puppengleichen Tanz, im Soundtrack von Star Wars dahingleitend. Er schlüpft immerzu in die Framente von Liedern, im Lift, in Hotelfluren, im Auto. Es ist geradezu eine Offenbarung ihm zuzusehen, wenn er aus reiner Freude tanzt, es ist der absolute Wahnsinn, diese Stimme ein paar Takte aus einigen Soul-Stücken swingen zu hören. Mag sein, dass, wenn ich jemals Fred Astaire den heißesten Step quer durch die Hotellobby hätte tanzen sehen, wenn ich jemals dem bekannten schu-bi-du-bi-du Bebop Sinatras an eine Blondine in einer dunklen Vegas Bar zugehört hätte, ich hätte vielleicht den gleichen Schauder gespürt. Vielleicht. Nun ist die Kriegsführung mit seiner Schallplattenfirma Sony eröffnet. Industrie-Insider glauben in Wirklichkeit geht es nicht um Michaels Karriere, sondern um seine Besitzrechte an dem wertvollsten Rücklage-Katalog im Geschäft - den Lennon-Mc-Cartney-Songs. Michael glaubt, dass die Herren in den feinen Anzügen vor allem deswegen so aufgebracht sind, weil einem schwarzen Mann das wertvollste Juwel in ihrer Welt gehört. Er glaubt ebenso, dass die Beatles-Rechte eine Bagatelle sind gegen seine eigenen Kronjuwelen - seine Kinder. Als er im Juni nach England zur Exeter Rede flog, wünschte er verzweifelt, seine Kinder mitbringen zu können. Und ich wusste, das er das nicht konnte. Die Paparazzi würden ihn auseinandergenommen haben, um Bilder von seinen wunderschönen Kindern zu bekommen. Michael beneidet John Lennon darum, dass dieser, als Sean geboren wurde, auf seine Karriere verzichtete und vier oder fünf Jahre damit verbrachte, ein Vollzeit-Vater zu sein. Der brutale Ehrgeiz seines Vaters für die Jackson-Kinder ist wohlbekannt. Ich habe Michael niemals nach seiner Kindheit gefragt, denn, wenn ich mit Freunden zusammen bin, bin ich nur an dem gegenwärtigen Moment interessiert. Aber dem Vorfahren meiner Mutter, Sigmund Freud, würde es nicht schwergefallen sein, die Verbindung zu entdecken zwischen einer Kindheit, in der man ratlos mit den auftauchenden Gefühlen fertig werden muss, und einem Vater, der darauf besteht für seine eigenen Kinder wie ein Felsgestein zu sein. Für einen als sehr sanft beschrieben Mann, ist Michael, wenn es darum geht, seinen Sohn und seine Tochter zu beschützen, hart wie Granit. Diese Liebe findet ein Echo in seiner Zuneigung zu seinen Fans. Sie rufen
ihm zu: "Michael, wir lieben dich," und er antwortet immer:
"Ich liebe euch mehr." Ich habe ihn vorbei durch seine achselzuckenden
Bodyguards in die Menge gehen sehen, die während eines Platzregens
auf ihn gewartet hatte - er unterschrieb jedes Poster, jedes Album und
stand dort 20 Minunten lang, den Geschichten seiner Fans zuhörend,
während er zitterte. Sein Fuß war wegen eines gebrochenen Knochens
bandagiert. Später sah ich, das seine Kleidung durchgeweicht war.
Es muss eine Qual gewesen sein, aber sein Gesicht zeigte nichts dergleichen. Er wechselt sein Hotelzimmer alle paar Tage, und ich muss mir immer in Erinnerung rufen, dass ich, wenn ich anrufe, nach Mr. Robinson anstatt nach Mr. Brown oder Mr. Williams frage. Bei jedem Wechsel überprüft er alle Schubladen und alle Schränke selber. "Hast du dein Passwort verloren?" scherzte ich einmal. "Ich will auf keinen Fall irgendwelche Geschenke zurücklassen," erzählte er mir ernsthaft. Er behält alles, was seine Fans ihm geben. Ich wollte ihm dies erst nicht so recht abnehmen, aber er behält wirklich alles und hat es noch immer. Wenn du Michael jemals eine Zeichnung oder ein einen Brief oder ein Kuscheltier, eine Schmuckkassette, überquellend von Diademen, oder einen Plastikhut von McDonalds gibst, er hat es aufbewahrt. "Ich habe Pakete von M&Ms von vor 30 Jahren," versicherte er mir. "Eines Tages werde ich für das alles ein Museum bauen." In dieser Woche habe ich mit leitenden Ingenieuren einer Raumfahrtagentur über einen Acht-Jahres- Plan zur Finanzierung einer Mond-Basis gesprochen, indem sich einige superreiche Amerikaner für eine private Reise ins Weltall eintragen lassen. Die Gedanke kam von Michael: "Ich möchte moonwalken," sagte er eines Tages, und ich meinte, er brauche sich nicht genieren zu tanzen, wenn ich anwesend bin. "Nein, sieh mal, wirklich. Ich will den moonwalk auf dem Mond machen." Es gibt keinen Zweifel, dass dieser außergewöhnliche Mann genau das bekommen wird, was er will. Der Mann im Mond sollte sich schon mal auf einen Besuch einstellen. Und die Herren in der Musikindustrie können schon getrost auf mehr "Raketen" (Zigarren) warten. *** © Uri Geller, 2002 Übersetzung: Dagmar Herrmann |